sinn-haft nr 11
zur masse.



KARIN HARRASSER
Als die Fabel zur Welt wurde ...
Apokalyptische Narrative im Zeitalter der Television -
Ein exzessiv kommentierter Pressespiegel


Fernsehen am 11.9.01: Die hard 3? Hab ich was versäumt, gibtīs einen neuen, geilen Katastrophen film? Müssen die wirklich schon am Nachmittag Actionfilme bringen? Wann kommt Bruce Willis und macht dem Ganzen ein Ende? Aber irgendwie passt der Tagesschau-Rahmen da nicht dazu... Alles schon mal ges(ch)ehen? Über neueste Irritationen das ebenso fatale wie mörderische Verhältnis von Realem und Fiktivem betreffend.

"Ergreife den Schild des Glaubens, mit dem Ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen."
Neues Testament Epheser 6,16 - Überschrift einer ganzseitigen Anteilnahmeanzeige von: National Cinema & Radio Network GmbH, VW - Audio Mann GmbH, UFA-Theater GmbH und Wall Ag im Tagesspiegel vom 14. September

Popkulturelle Umarbeitungen der Apokalypse
In ersten Kommentaren zu den Attentaten vom 11. September war ein Wort besonders populär: die Apokalypse. Das Ende der Welt wurde angekündigt, ein "Nichts mehr wird sein, wie es mal war" wurde und wird geraunt oder anklagend gerufen. Inzwischen kann frau/man beruhigt sein: Die Welt gibt es noch und die politischen Konsequenzen der Attentate sind so unsinnig wie sie traditionell sind. Kein End of the world as we know it sondern More of the Same. Zeit also, sich das Narrativ "Apokalypse" genauer anzusehen.
Apokalypsen sind Erzählungen, die vom Strafgericht Gottes über eine gottverlassene Welt handeln. Sie werden von fundamentalistisch gläubigen Moslems wie von Christen und christlichen Sekten (erinnern wir uns an den Massenselbstmord der Heavenīs Gate Sekte) erzählt und bilden das Grundnarrativ des (globalisierten) Hollywood-Katastrophenfilms mit seiner geradezu schwelgerischen Zelebration der Zerstörung des Materials. Die Zerstörung richtet sich dabei fast immer auf die "ungeordnete Vitalität der Stadt" (Albrecht Koschorske in der Süddeutschen Zeitung vom 14. September), auf die Symbole aus dem Ruder gelaufenen Fortschritts, auf Lust, Gier und Dekadenz. Kurz: die Hure Babylon. Beispiele dafür gibt es zu Hauf: Die Hard, Idependence Day, Armageddon, sind wohl derzeit die meist zitierten.
Die Apokalypse verweist auf einen inneren Widerspruch expansiv agierender, in ihrem Kern religiös geprägter Kulturen, denn das Anhäufen materieller Werte und die Zentralisierung von Macht und Gewalt zählen selten zu den Eingangsbedingungen für das Paradies, im Gegenteil fallen die hierfür notwendigen Eigenschaften und Handlungen in den Bereich der "Sünde". Diese Widersprüche ereilten wohl viele beim Anblick der einstürzenden Twintowers: die berückende Schönheit des Akts der Zerstörung wirkte verstörend.
Doch für apokalyptische Narrative ist die Dialektik von Zerstörung und Befreiung konstitutiv. Susan Sontag beschreibt die Wirkungsweise des Katastrophenfilms folgendermaßen: "Der Reiz des verallgemeinerten Phantasiebildes der Katastrophe besteht darin, dass es von den normalen Verpflichtungen befreit." (Sontag 1982, S. 297)
Jacques Derrida weist in seinem Buch "Apokalypse" auf zwei unterschiedliche etymologische Herleitungen des Begriffs hin: Einerseits sei damit ein Wille zur Enthüllung, zur Offenbarung, zur Aufklärung gemeint, andererseits die umfassende Zerstörung. Es geht also um Aufklärung durch und im Angesicht der drohenden Zerstörung. Nicht die Utopie einer irgendwie herstellbaren "besseren" Welt, sondern die völlige Neuordnung menschlichen Lebens, das sind die totalitären Ansprüche apokalyptischer Visionen, wie sie im Hollywoodkino ebenso präsent sind wie in Koran und Bibel. Diese Dialektik übersetzt das Hollywoodkino üblicherweise in einen Plot, der Anspannung mit Entspannung abwechselt und so Lustangst erzeugt: Auf den Beinahetod des Helden folgt die Liebesszene und darauf wieder der Beinahetod, bis James Bond sich endlich ungestört das Bett mit einer Schönen teilen kann. Die apokalyptische Perspektive, könnte frau sagen, produziert Katastrophen am laufenden Band - auf den Anschlag folgt Betroffenheit folgt Gegenschlag, bis Amerika wieder mit sich selbst versöhnt ist.
Apocalypse NYC
Thomas Jöchler


Die eigentliche Katastrophe in der Apokalypse ist nicht die Serie der Plagen, Zerstörungen und Endkämpfe des Guten gegen das Böse - nein, die eigentliche Katastrophe der Apokalypse ist das Danach.
Nach dem Jüngsten Gericht, nach der endgültigen Besiegelung, nach der Vernichtung des Bösen, nach der Überwindung von Zeit und Raum entfaltet sich der fantasmatische Ort des Neuen Jerusalem - eine lichtdurchflutete Stadt ohne Nacht, ohne Schatten, eingetaucht in endlosen diamantenen und güldenen Glanz. Eine Stadt, die in andauernder Ordnung ist und bleibt - auf alle Zeit und Ewigkeit. Innere und äußere Sicherheit fallen in eins, die prunkvollen Tore sind unüberwindbar für ein Außen, das nicht mehr existiert, die letzte iuridische und moralische Herrschaft ist errichtet.

Die Schlacht ist geschlagen, der Krieg ist gewonnen, Operation infinite justice (korrigiert auf: Operation enduring justice, wodurch die Zeit wieder ins Spiel gekommen ist, und ihre Überwindung der göttlichen Sphäre vorbehalten bleibt - die "Vergeltung" wird geerdet) hat Ziel und Zweck gefunden, eingelöst.


Der klassische apokalyptische Text im westlichen christlichen Verständnis ist die Apokalypse des Johannes von Patmos (es gibt zahlreiche andere apokalyptische Texte, aber dieses ist der hauptsächliche Referenztext; nicht unbedingt der "Urtext", vielmehr eine Bündelung anderer apokalyptischer Texte und deren Erweiterung).

In den späten 1920er Jahren interpretierte D.H. Lawrence die Apokalypse als den klassischen Text des Christentums, in dem der Triumph über die alte Welt des Mythos imaginiert wird. Lawrence analysiert neben der Frage nach dem Autor des Textes v.a. die verschiedenen Schichten und Ebenen des apokalyptischen Textes: mit der archaisch bildhaften Rede von kosmischen Kataklysmen, bestialischen Ungeheuern und herangaloppierenden Reitern betreibt die Apokalypse eine letzte Anrufung der Institutionen des heidnischen Mythos - und benützt die Beschwörung der kosmisch umfassenden Welt mit allen ihren unheimlichen Kräften, um sie nach der obligaten Denunziation der völligen Zerstörung zuführen zu können.

Im offiziellen christlichen Pressetext wird die Apokalypse so zum "großen Trost- und Mahnbuch" - und das trotz oder gerade wegen der verwirrend und esoterisch paranoiden Erzählung. Die Apokalypse imaginiert das verdrängte Andere als das bedrohlich Andere und vollführt auf dem Terrain dieses Anderen dessen
Auslöschung.



Das Internet als demokratischeres Medium als etwa das Fernsehen bot sehr rasch nach der Katastrophe etliche paranoide Theorien zur freien Entnahme aus Mailinglisten, Diskussionsforen und Webpages (ebendort konnten die Theorien nach erregtem Gebrauch auch wieder abgelegt werden):
1) CNN's Bilder jubelnder Palästinenser sind Bilder aus dem Golfkrieg:
Auch wenn die Behauptung falsch war, die virale Attacke war erfolgreich. CNN scheint mittlerweile Archivbilder genau zu datieren (damit nicht behauptend, dass CNN das vorher nicht getan hat; entkommt man der Paranoia? nein!).
2) Nostradamus Zitat: Die präzise Vorhersage des Szenarios der einstürzenden Zwillingstürme durch Nostradamus entpuppte sich als Fake eines Schülers.
3) Die Teufelsfratze im Staub der einstürzenden Türme des WTC: garantiert ohne digitale Nachbearbeitung der Bilder (von CNN, woher sonst), klar erkennbar, die Teufelsfratze mit Hörnern und Dreizack. Mit digitaler Nachbearbeitung natürlich noch klarer erkennbar.
4) Microsoft: Nicht genug, dass die mutmaßlichen Terroristen mit einem MS-Programm den Anflug auf die Türme geübt haben sollen (MS-Flugsimulator), sind auch noch versteckte Botschaften in Microsofts grafischer Schrift Wingdings enthalten. Die vermeintliche Flugnummer Q33NY wird in Wingdings zu Flugzeug, Zwillingstürmen, Totenkopf und Davidstern. Na bitte. Nachdem klar wurde, dass keines der Flugzeuge diese Flugnummer hatte, blieb immer noch das Kürzel NYC in Wingdings mit tödlicher Botschaft. Na bitte.
Microsoft sah sich zur Stellungnahme verpflichtet und erklärte, dass Wingdings schon in den späten 1980er Jahren entwickelt wurde, und keine versteckten Botschaften damit transportiert werden sollten. Die unglückliche Kombination der Zeichen bei NYC sei rein zufällig und bedauerlich, und zudem sei bei der Nachfolgeschrift Webdings besonderes Augenmerk auf eine positive Kombination für NYC Wert gelegt worden. Das als Turm interpretierte Zeichen aus der Flugnummer sei auch kein Turm sondern ein Symbol für ein beschriebenes Blatt Papier. Es steht geschrieben - na bitte!

"Zur Angst gesellt sich beinahe dankbare Erleichterung. In dieser klammheimlichen Sehnsucht nach der Katastrophe wird alles relativ, so wie für manche Passagiere bei ihrem letzten absurden Telephonat mit ihren Liebsten. (...) Die apokalyptische Erzählung, die auch den Hintergrund für das Gerede über den Endkampf gegen das Böse abgibt, verspricht vollständige Entladung der Spannung, die sie selbst erzeugt." (Wolfgang Müller Funk im Falter vom 26. September)
Apokalyptische Narrative erfordern ein "Böses" (hierin sind sie manichäisch), eine dunkle Macht, die es zu bekämpfen gilt, wobei dieses Unbekannte, Fremde, leicht mit den verdrängten "eigenen" Widersprüchen identifiziert werden kann. Diesmal ist es ein stummer Feind, der die internationale Ordnung missachtet, sich jeder Art von Dialog entzieht, dem ein Gesicht gegeben werden muss. Bin Laden eignet sich perfekt als dieses Gegenbild und macht gleichzeitig deutlich, welches verdrängte "Andere" im Spiel ist: Die Figur Bin Laden ist nur allzu deutlich das Resultat des US-amerikanischen "Engagements" im Nahen Osten. Er repräsentiert die Effekte jener Weltpolitik, die die Prosperität und "Sicherheit" der USA erst bedingen, figuriert als Schatten einer ungerechten Weltordnung.
Gleichzeitig bildet er eine ideale Projektionsfläche, weil er schweigt. Er existiert nur als Bild. "Osama Bin Laden existiert möglicherweise wirklich." (Christian Schachinger im Standard Album vom 15. September)
Besonders bedrohlich ist dieser Feind aber deshalb, weil sich "in seinem Handeln, so fremdartig es scheint, Elemente der eigenen kulturellen Matrix auffinden lassen. (...) Es scheint, als würde dieser Fundamentalismus untergründig mit Tendenzen des weißen Mainstream-Amerika kommunizieren." (Koschorske) Siehe Oklahoma.
Und: Apokalypsen können eines besonders gut: mobilisieren. Und zwar patriotische Gefühle wie Soldaten. Das Angesicht der drohenden, alles umfassenden Katastrophe ist Propagandamaschine und Authentizitätsfalle Nr. 1. "Hunt them down" bibelt der roboterhafte (Susan Sontag) Westernheld George W. Bush. Die Wiederauflage von Reagans Endzeitkampf gegen das Sowjetimperium. Apocalypse now. Part II.

TV - Diverse Überbelichtungseffekte in der Wüste des Realen

Das Fernsehen war der marathonische Bote, der die Botschaft vom Krieg überbrachte. Es ist die Botschaft von einem subjekt- und textlosen Krieg und die (bildbasierten) Massenmedien konnten gar nicht anders, als die besten Verbündeten des Terrors zu sein. Die Bilder, die wir sahen, sagen uns scheinbar alles, aber sie erklären nichts. "Die erste Großkatastrophe des globalen Kapitalismus im neuen Jahrtausend schreibt sich direkt in die Seelen ein als das Bild unseres Unterbewusstseins, das nur real geworden ist wie eine Prophezeiung, die endlich wahr wird.", schreibt Georg Seeßlen in der TAZ vom 13. September.
Die Fernsehbilder verwickeln den Zuseher in eine Endlosschleife von Authentizität, Aktualität und Fiktionalisierung. Der "Zwang zum Sehen" und die "Überbelichtung des Sichtbaren" (Virilio) schlagen dieser Tage voll zu. Der Effekt ist einerseits der bekannte der Derealisierung (der Toten), andererseits aber eine tief greifende Irritation: Es wird wohl so schnell nicht mehr möglich sein, Katastrophenszenarios ohne leichtem Druck in der Magengegend "einfach nur geil" zu finden.
Auch wenn uns das Hollywoodkino eine Augenuniform angelegt hat, als Bedingung für das Sehen, scheint diese nun nicht mehr so recht zu passen. Wolfgang Müller Funk schreibt von einem "unbestimmten Gefühl, wieder in der Wirklichkeit angekommen zu sein", das derzeit grassiere.
In seinem Essay "Willkommen in der Wüste des Realen" ( die Zeit, 20. September) denkt Slawoj Zizek genau darüber nach: Ähnlich wie bei der Titanic-Katastrophe am Anfang des letzten Jahrhunderts war der Schock, das das Ereignis verursachte, längst von ideologischen Fantasievorstellungen präfiguriert. Der Fortschritt hatte sein Gegenbild, den Störfall, die Katastrophe bereits miterzeugt. Das Undenkbare "war schon Gegenstand der Fantasie, sodass Amerika in gewisser Weise dem begegnete, worüber es fantasierte, und das war die größte Überraschung." (Zizek) Einstürzende Hochhäuser und entführte Flugzeuge zählen sosehr zu den paranoiden Gegenbildern des amerikanischen Traums, dass ihr Zusammentreten in der "Realität" gleichzeitig als apokalyptisches Szenario banal erscheinen musste.
Neben dem Mythos der Unverletzlichkeit wurde mit der "Wucht der Wirklichkeit" auch der "Turm der liberalen Haltung" (Zizek) getroffen: Schon jetzt ist absehbar, dass konservative Hardliner gute Karten wie schon lange nicht mehr haben. Die unmittelbar nach dem Angriff erfolgte Durchsetzung des "Combating Terrorism Act of 2001", der es den Sicherheitsbehörden erleichtert, Online-Aktivitäten von Verdächtigen zu überwachen und der unmittelbar nach der Katastrophe gefällte Beschluss zum Kauf der neuen Kampfflugzeuge in Österreich sprechen eine deutliche Sprache.

Terror und Massenmedien

Terror und Massenmedien sind zwei Seiten einer technisch-ideologischen Entwicklung, die im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die Techniken der Beschleunigung, die damals entstanden, verlangten den Menschen neue und schnellere Reaktionen ab. Werbung und Propaganda, also die einzig auf die Erweckung von Aufmerksamkeit zugeschnittenen ästhetischen Information, entspricht eine politische Aktionsform, in der die Ästhetik des Schocks kulminierte: der Terrorismus. Sein Konzept, die "Propaganda der Tat", die sich an den Gesetzen der kollektiven Aufmerksamkeitsorgane der freien Medien orientiert, die
wiederum im umkämpften Markt der Aufmerksamkeit nach Sensationen suchen, sind untrennbar verbundene siamesische Zwillinge. Die Spirale der Aufmerksamkeitsökonomie hat sich im 20. Jahrhundert durch zunehmende Medienkonkurrenz und die allgemeine Beschleunigung der Kommunikation nur noch verstärkt. Terror und Massenmedien (und ich möchte hinzufügen: ästhetische Avantgarde) bilden ein "verschweißtes und sich aufschaukelndes Gespann." (Florian Rötzer, Telepolis 12. September) Terroristen sind, wie Laurie Anderson in ihren Stories from the Nerve Bible mit Rekurs auf Don DeLillo anmerkt, die letzten Avantgardisten, weil sie die letzten sind, die die Menschen noch überraschen könnten. Ähnliches hat uns Christoph Schlingensief mit seiner Show auf MTV vorgeführt. Die Medienkünstlerin Laurie Anderson rührt an den Wurzeln US-amerikanischer Ideologie wenn sie die "großen Geschichten" apokalyptischer Visionen á la Heaven`s Gate (den Sektenmitgliedern hat sie ein ganzes Programm gewidmet) mit Hilfe "kleiner Geschichten" direkt in ihr eigenes Alltagsleben herüberzieht. Die Geschichten auf ihrem Album The Ugly One with the Jewels and other Stories (1995) führt die ganze Tragik der Überblendungseffekte von Realem und Fiktivem und die Verwachsenheit von künstlerischen und technokratischen Interessen im 20. Jahrhundert vor:
Anyway, I was in Israel as a kind of cultural ambassador. And there were all of these press conferences scheduled around the concerts but the journalists didn't want to talk about art or music, they were all still talking about the Gulf War. And they kept asking me questions about this and I was trying to answer them but what was really on my mind was that I had myself, the week before, been testing explosives in a parking lot in Tel Aviv. Now, this happened because I brought some small stage bombs to Israel as props for the performance and the Israeli promoter was very interested in them. And it turned out that he was on weekend duty on one of the bomb squads and bombs were also something of a hobby during the week. So, I said, "Look, you know, these bombs are nothing special, you know, just a little smoke." And he said, "Well, we can get much better things for you." And I said, "No, no, really, these are fine." And he said, "No, but it should be big, theatrical, I mean, you need just the right bomb." So, one morning, he arranged to have about fifty small bombs delivered to this parking lot and since he looked on it as a sorta special, surprise favor, I couldn't really refuse. So, we're out in this parking lot testing the bombs. And after the first few, I found I was getting . . . pretty interested. I mean, they all had really different characteristics. Some made these little "poomp, poomp, poomp" popping sounds and others exploded mid-air and left long, smokey, slinky trails. And he had several of each kind in case I needed to review them all at the end. And, I'm thinking, here I am, a citizen of the world's largest arms supplier setting off bombs with the world's second largest arms customer and I'm having a great time.

Die Medientheorie, die elektronischen Bilder und der Krieg

Viele der ersten Kommentare zu den Anschlägen stammten von MedientheoretikerInnen, oder solchen, die als medientheoretisch inspiriert gelten können. Offensichtlich hat die Medientheorie mit ihrem Focus auf die Verbindung von Kriegs- und Kommunikationstechnologie in den letzten Jahren einen begrifflichen Rahmen entwickelt, der nun bei der Erklärung dessen, "was da passiert ist", behilflich sein kann.
Doch Vorsicht sei geboten, denn die Medientheorie sitzt über weite Strecken ähnlichen apokalyptischen und verschwörungstheoretischen Narrativen auf, wie ich sie oben beschrieben habe. Sie oszilliert in ihrem Selbstverständnis noch dazu ständig zwischen einem avantgardistisch-prophetischen Gestus und dem Anspruch, deskriptiv-kritische Wissenschaft zu sein. Auch ihre Ignoranz gegenüber den Körpern und ihre Rede vom Infowar, der den realen Krieg ersetze, erweisen sich als zynisch. Wenn ich gestern auf der Ankündigung der Konferenz "Kunst und Krieg" an der Akademie der Bildenden Künste einen Vortrag von Norbert Bolz mit dem Titel: "Warum es keine Kriege mehr gibt" lese, wird mir, gelinde gesagt, etwas schummrig. Die Medientheorie hat ähnlich wie das FBI (und möglicherweise die restliche Politik) nämlich systematisch vergessen, dass es nach wie vor um Menschen geht, wenn von Krieg die Rede ist: Das Szenario, das den aktuellen Ereignissen am nächsten kommt, imaginiert Flugzeugabstürze als Folgen von sabotierter Software. Dass Menschen ihr eigenes Leben (und das Tausender anderer mit dazu) für ein ideologisch-politisches Ziel opfern, damit konnten weder FBI noch Medientheorie rechnen.
Die Formel der Terroristen war eine einfache: "low tech - high concept". Niels Werber zitiert in seinem Artikel (taz vom 13. September) Machiavelli, der bereits 1519 in seinen "Discorsi" davon sprach, dass man seinen Feind nie so weit ins Eck drängen dürfe, dass ihm nur noch das Selbstmordattentat bleibe, denn solche Feinde seien unaufhaltbar, dagegen gebe es keinen Schutz. Ebenso wichtig auch sein Nachsatz: "Solange ganze Generationen in den Flüchtlingslagern der Welt ohne jede zivile Perspektive heranwachsen, wird es an todesbereiten Kämpfern nicht fehlen.". Es könnte also gut sein, dass die einzig richtige Antwort auf die postmoderne Katastrophe nicht eine medienanalytisch avancierte sondern eine klassisch politische ist: Nämlich die Trennung von Politik und Religion und der Kampf gegen Ungerechtigkeit.

Die Tragik der Massenmedien besteht nicht darin, dass sie eine zunehmende Derealisierung erzeugen, sondern in der grundsätzlichen, strukturelle Ähnlichkeit von Phantasma und Realität: Um dem Realen Sinn zu geben braucht es das Phantasma, um das Phantasma glaubwürdig zu machen, die Realität. Die Bilder eilen paradoxerweise den Ereignissen voraus, sie sind immer schon da gewesen. Das Verschwinden gewalttätiger Katastrophenszenarios im Film (oder von Flugzeugen auf den Viennale-Plakaten) wird weder die inneren Widersprüche der "westlichen Zivilisation" zum Verschwinden bringen, noch einen nächsten Anschlag verhindern, insbesondere wenn das Ausradieren aus einem bloßen Betroffenheitsreflex heraus passiert. Dazu ist eine tiefergreifende Umcodierung der "großen Erzählungen" notwendig und ein Bewusstsein dafür, dass der "Andere" immer nur die dunkle Seite des "Eigenen" sein kann. No Apocalypse, not now, never, wäre das Motto der Stunde. Die derzeitige Dynamik deutet aber nicht darauf hin, sondern eher auf eine neue Umschreibung des alten, apokalyptischen Skripts.

Literatur:

  • Jacques Derrida: Apokalypse, Wien 2000.
  • Susan Sontag: Katastrophenbilder. In: Kunst und Antikunst. 24 literarische Essays. Frankfurt/Main 1982.
  • Paul Virilio: Krieg und Fernsehen, Frankfurt/Main 1997.


© der texte bei der autorin/dem autor



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