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Was hat die Krake in der Moderne
verloren? Sie will dort gefüttert und reproduziert werden. Um
Näheres über ihren Gebrauchswert zu erfahren, hilft es
durchaus, im imaginären Diskurslexikon unter 1912ff.
nachzuschlagen. Dort findet sich folgender Eintrag: Metapher; eine
Phantasie über die Reinheit der Medien.
"Zunächst aber wird der Film
die Literatur beeinflussen im Sinne einer Reinigung. Man kann wohl
schon jetzt etwas von solcher Wirkung spüren. Der alte
Schriftsteller, um 'anschaulich' zu wirken, benutzte 'Bilder'. Heute
wirkt eine bilderreiche Sprache verstaubt. [...] Ich meine: weil wir
im Film eine Sprache aus der Anschauung entwickelt haben, mit der
eine aus der Sprache entwickelte Anschauung nicht mehr konkurrieren
kann. Endlich wird die Sprache sauber, klar, exakt, ohne daß
wir die Fremdwort-Töter nötig hätten." (Behne
1926, S. 220)
Mit emphatischem Gestus beschreibt 1926
der Schriftsteller, Journalist und Kunstkritiker Adolf Behne wie die
Hochkultur mit der Massenkultur zusammenkracht und dabei noch etwas
lernt: ein Destillat der literarischen Sprache zu entwickeln. Es
bleibt eine Phantasie, deren Tentakeln weit ausgestreckt liegen.
Bemerkenswert ist aber der widersprüchliche Horizont, von dem
aus argumentiert wird. Denn Behne stellt zunächst der
"aristokratischen Buch-Dichtung" mit ihren elitären
Klassenressentiments die apokalyptische Rute ins Fenster und
prophezeit die Zukunft der massenhaft rezipierten "demokratischen
Film-Dichtung" (vgl. Siegfried Kracauers "Kult der
Zerstreuung"). Trotzdem er also eine Art Konvergenz der Künste
in der Massenkultur fordert und den Kunstbegriff radikal unter
egalitären und emanzipativen Gesichtspunkten betrachtet.
Trotzdem die Literatur bei Behne - um ihre aufklärerische
Qualität retten zu können - kurzerhand von ihrer medialen
Form getrennt und der (Stumm)Film als die "einfache, grade und
legitime Fortsetzung des Buches" eingesetzt wird (vgl. Hans
Siemsens "Biblia pauperum").- Es bleibt der
Horizont des Kunstkritikers aufrecht, der die klare, saubere Trennung
der Künste und ihrer Medien fordert. Denn Behne begehrt nichts
anderes als die Läuterung der Literatur von Bildern und
störenden Fremdeinflüssen, den Höhepunkt ihrer
medialen Form. Es kann hier nur vermutet werden, ob diese
Reinheitsphantasie der "nostalgischen" Liebe zur
Literatur entspringt oder sich darin der pragmatisch-ideologische
Wunsch äußert, die "falsche" Kunst von der
"richtigen" besser unterscheiden zu können, dass
diese sich von jener reinigt und umgekehrt? - Sie, die elitäre
Literatur in ihrer bisherigen sprachlichen Form, muss jedenfalls
untergehen angesichts der gesellschaftlichen Realität. Danach
wird sich die demokratische Kunstrezeption der "visuellen
Kultur" (Bela Balázs) nur noch in bildhafter Form
vollziehen.
I. Trennungsdiskurs
Mit seiner Forderung nach der Trennung
der Künste und ihrer Medien steht Behne in einer kunst- und
literaturtheoretischen Tradition, wie sie sich schon etwa in G. E.
Lessings "Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und
Poesie." von 1766 manifestiert. Dieser Text wendet sich nicht
nur gegen ein in der "ut pictura poesis"-Formel
erstarrtes vermischendes Verhältnis zwischen Malerei und
Dichtkunst sowie gegen Winckelmanns hymnische Lobpreisung der antiken
bildenden Kunst (und deren ethische Aufwertung). Vielmehr schreibt
Lessing hier offen über ein Konkurrenzverhältnis der Künste
und ihrer Medialität, das er mit folgender Methodik zuspitzt und
für seine Position fruchtbar macht: Indem er eine jeweils
bestimmte Medialität (zeitliche und räumliche) den
einzelnen Künsten zuordnet, kann er diese auch als Trennungs-
und Bewertungskriterien verwenden. Er vermittelt also eine
Ausschließlichkeit der Repräsentationsfunktion von
Zeichensystemen, die Reinheit der Künste und ihrer Medialität.
Das Oppositionspaar Zeit/Raum bietet ihm demnach die argumentative
Grundlage, um mit der qualitativen Bewertung zeitlicher Medialität
(d. h. die zeitlich strukturierte, sukzessive Darstellungsweise in
der Sprache) die Dichtkunst selbst aufwerten zu können. Es ist
nun zu beobachten, dass diese Strategie diskursiv fortgesetzt und
historisch immer wieder reproduziert wird. So führt etwa die
Linie dieses Trennungsdiskurses auch deutlich zu den 1910er und
1920er Jahren und den verschiedenen zeitgenössischen sowie
kunst- und kulturwissenschaftlichen Fachdiskursen, die sich mit den
Auswirkungen neu entstandener medialer Möglichkeiten durch
Photographie und Film beschäftigt haben. Lessings Methodik
erlangte folgende Aktualität: Literatur und Film werden jeweils
auf ihre wörtliche und bildliche Medialität festgelegt, auf
dieser Grundlage qualitativ bewertet und dadurch im Sinne einer
Oppositionskonstruktion klar voneinander getrennt. Zusätzlich
aber wird eine neue Bewertungsebene eingebaut. Denn die Medialität
koppelt sich in dieser Phase auch an ihren gesellschaftspolitischen
und ökonomischen Standort und wird derart als qualifizierender
bzw. disqualifizierender Faktor eingesetzt. Das kommerzielle Bild-
und Massenmedium Film sowie das nunmehr funktionslose, aber
"gereinigte" und künstlerisch hochwertige Wortmedium
Literatur erhalten eine Zuordnung im Sinne der U- oder E-Kultur. Auch
wenn Behne die Hoffnung hegt, dass die (E-)Dichtung in die mediale
Form des (U-)Films übertragbar ist, so bleibt sein Horizont
einer bestimmten Tradition verbunden, den er in seinem Sinne
gesellschaftspolitisch nutzt. So wie aber seine Sichtweise
exemplarischen Charakter für die Gestalt des Trennungsdiskurses
in den 1910er und 1920er Jahren besitzt, so hat die beabsichtigte
Engführung an dieser historischen Schnittstelle exemplarischen
Charakter für die Gestalt des Phänomens in der Moderne: Den
Diskurs über die Reinheit der Medien als Verdichtung mehrerer
Diskurse und ihrer Abhängigkeiten.
II. Massendiskurs
Die historischen Grundlagen jener
Schnittstelle zwischen Literatur und Film finden sich zunächst
in den Anfängen des neuen Mediums als Massenmedium: In den
"Kinotöppen", den Wander- und Ladenkinos der
Vorstädte, trafen die aus kurzen Film- und Musikstücken
zusammengestellten Programme den Geschmack des proletarischen
Publikums. Die Inhalte reichten von Sentimentalem, Erotischem,
(Derb-)Komischem, Blutrünstigem, Wissenschaftlichem,
Naturaufnahmen bis Aktuellem aus aller Welt (Alfred Döblin
beschrieb dieses "Theater der kleinen Leute" auch als
"panem et circenses" der Vorstädte). Schon 1907
wurde deshalb die "Kinematographische Reformvereinigung"
gegründet, um den "geistigen Führern des Volks"
die Möglichkeit zu bieten, dessen "ästhetischen
Geschmack in die richtigen Bahnen zu lenken" (Lemke 1907, S.
67). Diese Strömung ging aus dem Bildungsbürgertum hervor
und war davon überzeugt, der Film sei eine Gefahr für die
Kultur und verderbe die Massen in ästhetischer und sittlicher
Hinsicht. Der Unkultur des Kinos (vgl. auch Franz Pfemferts
"Feldgeschrei der Unkultur") müsse daher entschieden
entgegengewirkt werden und der Film vor allem im pädagogischen
Sinne genutzt werden. In dieser Hinsicht wurde der Film
ausschließlich als triviales Unterhaltungsmedium der Massen und
als treibende Kraft in der "Scheidung zwischen Kunstübung
und Belustigung", zwischen U- und E-Kultur gesehen (Rathenau
1912, S. 38). Längst hatten aber die Kinematographentheater auch
in den angesehenen Stadtbezirken Einzug gehalten, und - trotz der
Inhalte - war es dort ebenfalls modern, ins Kino zu gehen
(Diese passten sich bald an das gebildetere Zielpublikum an). Es
entwickelte sich offen ein Konkurrenzverhältnis zwischen den
traditionellen Künsten und dem Film, hinter dem handfeste
ökonomische Interessen standen. Auf der einen Seite wurde daher
vor allem eine Dämonisierung des Films vorangetrieben, während
auf der anderen Seite die aufkommende Filmindustrie auf die Strategie
setzte, mit Hilfe von renommierten Künstlern/innen die Kunst ins
Kino zu holen. Sie wollte damit nicht nur der Knappheit an
Drehbüchern entgegenwirken, sondern auch eine Imagekorrektur des
Films in den hochkulturellen Kreisen und eine Differenzierung des
Angebots einleiten. So waren besonders renommierte Autoren/innen und
ihre Werke umworben, weil sie als Garanten für ein künstlerisch
anspruchsvolles Produkt galten. Die dänische "Nordisk
Filmkompagnie" etwa bot ab 1912 Arthur Schnitzler und Gerhard
Hauptmann die Zusammenarbeit an. Ergebnis waren sogenannte
"Autorenfilme" bzw. "Kinodramen" wie
Schnitzlers "Liebelei" oder Hauptmanns "Atlantis".
Dagegen versuchte der Verband Deutscher Bühnenschriftsteller,
seinen Mitgliedern die Tätigkeit für das Kinotheater zu
verbieten. Außerdem wurde offen über jene Autoren
gespottet, die mit dem neuen Medium zusammenarbeiteten. Alfred Kerr
warf etwa in seinem polemischen Gedicht "Sieg des Lichtspiels"
von 1912 den Autoren wie Hauptmann und Schnitzler vor, sie seien nur
auf kommerziellen Gewinn hin ausgerichtet. In der letzten Strophe
meinte er: "Nietzsche selbst in Firnenpracht [h]ätte heut
Kontrakt gemacht; Filmte in modernen Lustren [e]insam hüpfend
Zarathustren." (Kerr 1912, S. 125). Denn das neue
Massenunterhaltungsmedium symbolisierte in seiner Kommerzialität
als dessen konstituierenden Bestandteil einen Bruch mit den
Vorstellungen der Kulturproduktion im 19. Jahrhundert: Das Publikum
war nunmehr ein ökonomischer Faktor, die Macht der Masse eine
kulturbildende. Sie verdeutlichte den schwindenden Einfluss von Kunst
und hochkultureller Elite, die sich durch Literatur und Theater in
ihrer bisherigen Form repräsentiert sah. Je deutlicher sich nun
angesichts der massenkulturellen Formen die Funktion von
Kunst/Literatur zu verändern begann - ihre Einbindung in die
politische Ökonomie! - desto vehementer wurde der Film als Kunst
und die Literatur als "reine Kunst" diskutiert.
III. Kunstdiskurs
Mit den "Autorenfilmen"
(Filme literarischer Autoren) erreichte diese Diskussion vor dem
Ersten Weltkrieg ihren ersten Höhepunkt und bestimmte auch
später die filmtheoretischen Schriften der Weimarer Republik in
den 1920ern und 1930ern (vgl. Rudolf Arnheims "Film als
Kunst"). In der Fragestellung, ob Film Kunst sei, verdichteten
sich also die Oppositionskonstruktionen zwischen Literatur und Film
(Hoch- vs. Massenkultur, ernstzunehmender Kunst vs. leichter
Unterhaltung, Nicht-Kommerz vs. Kommerz) zu einer repräsentativen
Schnittstelle. Transparenz erhielt dadurch aber vor allem die Krise
des Kunstbegriffs und die Krise der Literatur selbst. Denn im
Zusammenhang mit der Sprachskepsis in der Literatur der
Jahrhundertwende (vgl. H. v. Hofmannsthals "Chandos-Brief")
und der größeren Bedeutung des Visuellen kündigte
sich mit dem Film ein weiterer Autonomieverlust der Sprache an. Egon
Friedell meinte etwa, das Wort verliere allmählich an Kredit
angesichts der Menschheit, die "zunehmend denkfähiger und
vergeistigter" werde, und habe nicht die Darstellungskraft der
stummen Gestik (Fridell 1912, S. 45). Die Umsetzung literarischer
Sujets von Arthur Schnitzler, Gerhard Hauptmann und Hugo von
Hofmannsthal im Bildmedium Film schienen bereits deutliche Signale in
diese Richtung zu sein. Kulturkonservative Stimmen beharrten dagegen
darauf, dass nur das Wesen der Literatur ein humanistisches sei, weil
es erst "durch das Wort die Vergeistigung erfährt."
(Heimann 1913, S. 122). Diese Diskussion um die Qualität der
Wort/Bildmedialität setzte sich ungebrochen in die 1920er Jahre
der Weimarer Republik fort. Ähnlich wie Friedell sprach der
Filmtheoretiker Béla Balázs von einem neuen Geist, der
sich in den stummen und visuellen Ausdrucksmöglichkeiten des
Bildmediums Film erweitere. Durch sie könne vermittelt werden,
was rational nicht formulierbar sei und den Menschen dort ansprechen,
wo er "von Worten und Begriffen nicht erreicht werden kann"
(Balács 1924, S. 225). Zudem unterstrichen sprachkritische und
am Film orientierte Experimente von Autoren wie Walter Hasenclever
und Georg Kaiser um 1920 die Brüchigkeit der Sprache. Dagegen
hielten etwa Ernst Toller, F. v. Unruh und Franz Werfel an der "Kraft
des Wortes" fest, und letzterer nannte die hasencleversche
Methodik der Verkürzung und Segmentierung eine "haltlose
Verbeugung vor der Sketch- und Kinotechnik der Zeit" (Werfel
1920, S. 21). Die abwertende Haltung gegenüber einer
filmtechnisch inspirierten Dramensprache wies aber bereits auf einen
zentralen wunden Punkt in der traditionellen Kunstpraxis hin: "Die
Technifizierung der literarischen Produktion ist nicht mehr
rückgängig zu machen.", meinte Bertolt Brecht 1922 in
seinem Text "Über Film" (Brecht 1922, S. 156). Denn
Literatur wurde konfrontiert mit einem Medium, in dem die Technik
eine wesentlich größere Rolle spielte. Sie musste dadurch
ihre eigenen produktions- und rezeptionsästhetischen Bedingungen
reflektieren und die Erweiterungen ihrer Möglichkeiten bzw.
Aufgaben zur Darstellung der Wirklichkeit. Dass der Film die
Wirklichkeit anders und auf neue Weise darstelle, räumte auch
Thomas Mann der neuen Filmtechnik gegenüber ein. Gerade deshalb
wollte er sie aber nicht als Kunst verstanden wissen im Vergleich mit
den "geistigen Wirkungen der Kunst" (Mann 1928, S. 164).
In eine ähnliche Kerbe schlugen jene Autoren, die meinten, der
Film sei künstlerisch noch nicht richtig entwickelt (vgl. Carl
Hauptmann) und müsse sein wahres Kunstwesen erst finden: "mit
natürlichen Mitteln und mit unvergleichlicher Überzeugungskraft
das Feenhafte, Wunderbare, Übernatürliche zum Ausdruck zu
bringen" (Werfel 1935, S. 23). Doch angesichts der Veränderung
der kulturellen Alltagspraxis durch Technik, Naturwissenschaften,
Wirtschaft und Massenkultur forderte die Avantgarde um Bertolt
Brecht, Lion Feuchtwanger und Alfred Döblin nicht nur eine
ästhetische Neuorientierung der klassisch-bildungsbürgerlich
eingestellten Kunst. Der Vorstellung von der "reinen Kunst"
setzte Bertolt Brecht etwa mit der Technifizierung der literarischen
Produktion auch ihre Ökonomisierung entgegen: die Kunst als
Ware. Er beabsichtigte damit die "Überwindung der alten
untechnischen, antitechnischen, mit dem Religiösen verknüpften,
`ausstrahlenden Kunst´", die bei Walter Benjamin im Zuge
der Reproduzierbarkeit von Kunstwerken als die "auratische
Kunst" verabschiedet wurde. Auf dieser Basis ging es aber nicht
mehr nur um eine Methode zur Trennung von Literatur und Film und um
die Koppelung an eine Wort/Bildmedialität. Es ging nicht mehr
vorderrangig um Fragen des Massen- und Kunstdiskurses, ob Literatur
und Film nun als Massen- oder Elitemedien definiert werden, ob sie
Kommerz oder "reine Kunst" produzieren. Der Punkt war
vielmehr die Abhängigkeit der Kunst von ihrer sozialen Funktion,
ihrem Gebrauchswert innerhalb der kulturellen Praxis.
Momente der gesellschaftlichen
Veränderung wie jene der 1910er und besonders der 1920/30er
Jahre erzeugen tiefe Verunsicherung und motivieren ein verstärktes
Festhalten an tradierten kulturkonservativen Bildern bzw.
Kunstbegriffen, genauso, wie sie Optimismus, Befreiungs- und
Modernisierungsenthusiasmus hervorrufen. Eine polarisierende Dynamik
entsteht - und provoziert genau jene Phantasie von Literatur
als Paradigma einer "reinen Wortkultur- und medialität"
bzw. einer "reinen Bildkultur- und medialität" des
Films, wie sie im Laufe dieser Diskurslektüre ansichtig wurde.
Sie markiert demnach nicht bloß eine formale Vorstellung von
der Ausschließlichkeit der Zeichensysteme und ihrer
Repräsentationsfunktion. Sie verweist deutlich auf die Abwehr
eines veränderbaren Gebrauchswerts von Wort- und Bildmedien, der
sich immer wieder durch die - vermischende! - kulturelle
Praxis der Kommunikation und Repräsentation neu definiert. Die
Reinheit von Medien ist daher umso mehr eine Phantasie, weil sie dem
jeweiligen Medium seinen Gebrauchswert entziehen will: "Die
Frage der Reinheit von Medien taucht auf, wenn ein Medium
selbstreferenziell wird und sich seiner Funktion als Kommunikations-
oder Repräsentationsmittel verweigert. An diesem Punkt werden
bestimmte exemplarische Bilder des Mediums dahingehend kanonisiert,
das innere Wesen des Mediums [...] als solchem zu verkörpern."
(Mitchell 2001, S. 159). Die im ausgehenden 20. Jahrhundert neu
entwickelten Tentakeln dieser vor allem modernen Phantasie sind nicht
zu übersehen: Angesichts des nach wie vor diskutierten
Untergangs der "Buch-Dichtung" (Adolf Behne) /
"Gutenberg-Galaxis" (Marshall McLuhan) und dem erneut zu
konstatierenden "Wendepunkt der Kulturgeschichte" (Bela
Balázs) / "pictorial turn" (W. J. T. Mitchell)
füttern sie weiterhin den Diskurs über die Reinheit der
Medien. Watch out!
Literatur:
- Balács, Béla: Der
sichtbare Mensch. In: Franz-Josef Albersmeier (Hg.), Texte zur
Theorie des Films, Stuttgart: Reclam 1998, S. 224-232
-
Behne, Adolf: Die Stellung des
Publikums zur modernen deutschen Literatur, zitiert nach: Anton Kaes
(Hg.), Weimarer Republik, Manifeste und Dokumente zur deutschen
Literatur 1918-1933, S. 219-222
-
Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Benjamin,
Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen
Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie, Frankfurt am
Main: Suhrkamp 1977, S. 8-44
-
Brecht, Bertolt: Über Film. In:
Gesammelte Werke 18. Schriften zur Literatur und Kunst I,
Frankfurt/Main: Suhrkamp 1967, 1990, S. 137-216
-
Fridell, Egon: Prolog vor dem Film,
zitiert nach: Kaes Anton (Hg.), Kino-Debatte, Texte zum Verhältnis
von Literatur und Film 1909-1929, München: Deutscher
Taschenbuch-Verlag; Tübingen: Niemeyer, 1978, S. 42-47
-
Heimann, Moritz in "Die neue
Rundschau." Jg. 24, 1913, zitiert nach: Ludwig Greve, Margot
Pehle, Heidi Westhoff (Hg.), Hätte ich das Kino! Die
Schriftsteller und der Stummfilm, München 1976
(=Sonderausstellung des Schiller-Nationalmuseums. Hrsg. von Bernhard
Zeller. Katalog Nr. 27), S. 122
-
Kerr, Alfred: Gesammelte Schriften. Bd.
4, S. 132, zitiert nach: Ludwig Greve, Margot Pehle, Heidi Westhoff
(Hg.), Hätte ich das Kino! Die Schriftsteller und der Stummfilm,
S. 125
-
Lemke, Hermann: Eröffnungsrede des
ersten deutschen Reform-Kinomatographentheaters, zitiert nach: Ludwig
Greve, Margot Pehle, Heidi Westhoff (Hg.), Hätte ich das Kino!
Die Schriftsteller und der Stummfilm, S. 67
-
Lessing, Gotthold Ephraim: Laokoon oder
über die Grenzen der Malerei und Poesie. Mit einem Nachwort von
Ingrid Kreuzer, Stuttgart: Philipp Reclam 2001
-
Mann, Thomas: Über den Film,
zitiert nach: Kaes Anton (Hg.), Kino-Debatte, S. 164-166
-
Mitchell, W. J. T.: Was wollen Bilder?
Ein Gespräch mit W. J. T. Mitchell von Georg Schöllhammer.
In: springerin (Hg.), Widerstände. Kunst - Cultural Studies -
Neue Medien. Interviews und Aufsätze aus der Zeitschrift
springerin 1995-1999, Redaktion: Christian Höller, Wien/Bozen:
Folio Verlag 1999, S. 156-163
-
Mitchell, W. J. T.: Der Mehrwert von
Bildern. In: Stefan Andriopoulos, Gabriele Schabacher und Eckhard
Schumacher (Hg.), Die Adresse des Mediums, DuMont Buchverlag: Köln,
2001, S. 158-184
-
Rathenau, Walther in der "Frankfurter
Zeitung" (30./31. 5. 1912), zitiert nach: Manfred Kammer, Das
Verhältnis Arthur Schnitzlers zum Film, Cobra Verlag Wendelin
Rader: Aachen 1983, S. 38
-
Werfel, Franz: Expressionismus als
Literatur, zitiert nach: Kaes Anton (Hg.), Kino-Debatte, S. 21
-
Werfel, Franz: Ein Sommernachtstraum,
zitiert nach: Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner
technischen Reproduzierbarkeit, S. 23
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